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Im Reich des ZwischenDorte Mandrup

Im Reich des Zwischen - Dorte Mandrup© www.baunetz.de


Komplizierter Name, klare Form: Beim Neubau des Trilateralen Weltnaturerbe-Wattenmeer-Partnerschaftszentrums (kurz: TWWP) in Wilhelmshaven konnten sich die Architekten von Dorte Mandrup mit einem kubischen, gläsernen Entwurf durchsetzen. Die Stadtverwaltung hatte den nichtoffenen, hochbaulichen Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil im August 2017 ausgelobt.

Auf einer Konversionsfläche in Hafenlage soll ein mit den anderen beiden Wattenmeerstaaten Dänemark und den Niederlanden betriebenes Verwaltungs-, Besucher- und Tagungszentrum entstehen, das die Kooperation der drei Nationen sowie ihre geteilte Verantwortung für das Wattenmeer repräsentiert. Es wird sowohl das bereits in der niedersächsischen Stadt ansässige Gemeinsame Wattenmeersekretariat (CWSS) als auch noch nicht weiter definierte partnerschaftliche Nutzungen beherbergen.

Dorte Mandrup zählte neben ahrens & grabenhorst architekten stadtplaner und DeZwarteHond aus den Niederlanden zu den drei geladenen Kandidaten im Wettbewerb um den Neubau auf dem ehemals militärisch genutzten Gelände im Entwicklungsgebiet Jadeallee. Unter den 14 anonymisierten Einreichungen wählte die Jury um Architektin Sabine Baumgart in drei Runden folgende Platzierung:

  • 1.Preis: Dorte Mandrup mit Marianne Levinsen Lanskab, beide Kopenhagen
  • 2. Preis: Ludloff + Ludloff Architekten mit Herrburg Landschaftsarchitekten, beide Berlin
  • 3. Preis: Formation A mit Juca Landschaftsarchitektur, beide Berlin

Anerkennungen:

  • Architekten BKSP Grabau Leiber Obermann und Partner mit Peter Carl Landschaftsarchitekten, beide Hannover
  • architekten prof. klaus sill + assoziierte mit Ando Yoo Landschaftsarchitektur, beide Hamburg


Aufgabe war es, den Charakter des Wattenmeeres baulich zu übersetzen. Darüberhinaus sollte ein auf dem Baugrund vorhandener Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg in den Entwurf integriert werden. Dorte Mandrup Arkitekter umhüllen den massiven Bunker mit einer filigranen Glasfassade, die Himmel und Umgebung spiegelt. Auf dem Dach des als Gebäudekern fungierenden Massivbaus, der als Archiv und für Ausstellungen wie Workshops genutzt werden soll, schließt der vierstöckige Neubau mit Büro- und Tagungsräumen an. In dessen Mitte entsteht ein offener Innenhof, im obersten Stockwerk eine Dachterrasse mit Blick auf Meer und Jadebusen. Die Architekten gehen in Wilhelmshaven also einen völlig anderen architektonischen Weg als bei ihrem Wattenmeer-Zentrum im dänischen Ribe,das im vorletzten Jahr eröffnet wurde. Den Außenbereich konzipierten die dänischen Landschaftsarchitekten um Marianne Levinsen als Retentionsraum, dessen Mulden, den Gezeiten nachempfunden, entweder flutendes Wasser aufnehmen oder von Skatern genutzt werden können.

Der Entwurf verstehe es in besonderem Maße, die „esoterische Atmosphäre“ des Wattenmeeres widerzuspiegeln, heißt es im Juryprotokoll. Das „Reich des Zwischen“ – die Gemengelage zwischen den Phänomenen Wasser und Land – finde in der „gleichmäßigen Kombination von robuster, mysteriöser Verborgenheit des Betonbunkers mit der eleganten Transparenz des ultraleuchtenden Gebäudes“ eine stoffliche Entsprechung. Die ätherische Hülle des TWWP lasse den Eindruck einer festen Gebäudeform verschwimmen und mache Luft, Sonne und Wind ganzjährig erfahrbar. Insgesamt überzeuge das Konzept durch spektakuläre Einfachheit.

Für die weitere Bearbeitung empfahlen die Preisrichter die energetische Optimierung der Fassade sowie Korrekturen bezüglich Grundrissdetails und Zugänglichkeiten. Insgesamt stehen für die Errichtung 6,09 Millionen Euro zur Verfügung. Das Verhandlungsverfahren soll bis zum 5. April 2018 abgeschlossen sein. (kms)

Zum Thema:

Alle Entwürfe werden im Anschluss an die Preisverleihung am Donnerstag, den 22. März 2018 für einen Monat im Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum in Wilhelmshaven öffentlich ausgestellt.

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