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Mediathek in Thionville

Mediathek in ThionvilleBild © Eugeni Pons, Lloret


Organisch gewundene Raumfolge mit Rampe zum Dachgarten

Die französische Stadt Thionville mit dem deutschen Namen Diedenhofen liegt an der Mosel, die sich von dort gen Nordosten zur deutschen Grenze schlängelt. Auch Luxemburg und Belgien sind nah. Im Herbst 2016 erhielt die Gemeinde eine neue Mediathek nach Plänen der Straßburger Architekten Dominique Coulon & associés, die den vorausgegangenen Wettbewerb im Jahre 2010 für sich entscheiden konnten.

Prägend für das Gebäude mit organisch gewundenem Grundriss ist ein umlaufend weißes Band, das über der Glasfassade wellenartig hoch hinauf- und wieder hinabschwingt. Die Mediathek vereint drei Funktionsbereiche, die einen Patio mit Zugang zum Dachgarten umschlingen: Neben einer offenen, vielfältig konzipierten Lesezone, die den größten Raum einnimmt, gehören Verwaltung und Technik dazu sowie eine Kreativzone mit Ausstellungssaal, Aufnahmestudio, Tonwerkstatt und Mehrzweckraum. Das für alle zugängliche Haus soll im Alltag der Nachbarschaft einen wichtigen Platz einnehmen.


Mediathek aus BetonBild © Eugeni Pons, Lloret

Als Solitär ist die Mediathek, die eine etwa quadratische Fläche einnimmt, an drei Seiten von Straßen eingefasst. Rückwärtig an der Nordwestseite befinden sich Stellplätze. Dorthin orientieren sich die Räume für Verwaltung, Technik und kreative Gestaltung. Die Fassade verläuft hier kaum merklich geschwungen, die Büros reihen sich entlang einer raumhohen Verglasung, die als lang gestreckter Einschnitt in der weiß verputzten Außenwand erscheint. Nur an den Ecken ist die gerundete Form wahrnehmbar. An der Südostseite hingegen umschlingt die teils transparente, teils geschlossene Außenhaut inselartige Nutzungszonen – vom Eingangsbereich über solche für Multimedia, Kleinkinder und Teenager. Die Literatur für Erwachsene ist zentral angeordnet, wobei alle Zonen fließend ineinander übergehen, gegliedert durch kleine abgeschlossene Raumzellen in unterschiedlich gerundeten Formen. Hier können Geschichten erzählt werden, es gibt ein Sprachlabor, Videospiele oder Filmvorführungen. Das räumliche Prinzip basiert auf der hierarchielosen Überlagerung verschiedener Aktivitäten; die Besucher sollen die Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik selbstbestimmt wahrnehmen können. Dafür stehen auch Arbeitsplätze, eine Lounge und ein Restaurant zur Verfügung. Vom Patio führt eine begrünte Rampe auf das vielfältig nutzbare Dach, dort versorgt eine Bar die Gäste im Sommer mit Getränken, sie können sich hier unterhalten, picknicken, lesen oder einfach ausruhen.

Durch das auf- und absteigende Fassadenband entsteht eine ständige Beziehung mit der Umgebung. Eine Schutzfunktion gegenüber den angrenzenden Straßenräumen übernehmen die Baumkronen der Platanen, die mit etwas Abstand an drei Seiten aufgereiht sind.


Mediathek als Beton-Solitär

Bild © Eugeni Pons, Lloret

Flachdach

Über eine begrünte, gewundene Rampe, die sich trichterförmig aufweitet, gelangen die Besucher vom Innenhof auf das Dach der Mediathek. Es bildet die organisch-gewundene Raumaufteilung des Grundrisses vereinfacht ab und ist etwa zur Hälfte begrünt, teils extensiv, teils intensiv mit Gräsern und Blumen. Kreisrunde Oberlichter verteilen sich locker auf der Dachfläche oberhalb des Lesesaals und sind durch aufliegende Gitter absturzgesichert.

Unter der Begrünungist Moselkies aufgeschüttet, der auf einer wasserfesten Membran liegt,welche die Dämmung schützt. Die Dämmung liegt auf einer insgesamt 16 cm starken Konstruktion aus Verbundstahlbeton mit Stahlträgern und bewehrter Betonplatte. Die im Lesesaal unregelmäßig angeordneten Stützen betonen dessen verschlungenen Charakter und verleihen ihm Spannung; die bandartige Fassade hält alles zusammen. Ihren oberen Abschlussfindet sie in einer äußerst schmalen Abdeckung aus marinetauglichem Holz mit PVC-Beschichtung. Als Brüstung des Dachgartens ist die Innenseite der Attika ebenfalls mit den weiß verputzten Fassadenplatten bekleidet.

Bautafel

Architekt: Dominique Coulon & associés, Straßburg
Projektbeteiligte: Bruno Kubler, Straßburg (Freianlagen); Batiserf Ingénierie (Tragwerksplanung); BET G. Jost (Technische Gebäudeausrüstung); Solares Bauen (Energieplanung, Gebäudeakustik)
Bauherr: Stadt Thionville
Fertigstellung: 2016
Standort: 6868 Boulevard Foch, 57100 Thionville, Frankreich
Bildnachweis: Eugeni Pons, Lloret

 

Originalartikel © www.baunetzwissen.de


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