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Architekt Vladimír Dedeček:
Zimmermann im Betonzeitalter

Architekt Vladimír Dedeček: Zimmermann im BetonzeitalterSlowakische Nationalgalerie

Foto: © Hertha Hurnaus


Ein Nachruf

Ein überzeugter Europäer und ein virtuoser Bildhauer der Spätmoderne: Der gefeierte und umstrittene slowakische Architekt Vladimír Dedeček ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

Vladimír Dedeček war es nicht mehr gewohnt, Gäste zu empfangen. Dabei war der fragile, kleine Herr ausgesprochen höflich, geradezu galant, aber das Innere seines von ihm selbst entworfenen Reihenhauses am Stadtrand von Bratislava war leer und still, auf dem Esstisch stand ein extra für die Gäste aus Wien gekaufter Kuchen, der etwas verloren aussah.

Für uns, zwei Architekten und eine Architekturfotografin, war es ein großer Moment, an diesem Wochenende, damals im Jahr 2007. Ihn treffen zu wollen, sei chancenlos, hatte es monatelang geheißen. Er sei krank und verbittert, wolle niemanden mehr sehen. Irgendwie gelang es dann doch, und Vladimír Dedeček erwies sich vom Moment, als er die Tür öffnete, als ein liebenswerter Mann mit listigen Augen, der ein schönes Deutsch sprach und mit seiner zu großen Armeejacke wie ein greiser südamerikanischer General aussah.

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Leichtfüßige Moderne

Doch auf den zweiten Blick offenbart seine Architektur eine Vielzahl von Bezügen, die weit über jedes politische System hinausreichten. Sein frühes Meisterwerk, der Campus der Landwirtschaftlichen Hochschule in Nitra (1960–66), eine elegante Komposition aus Scheiben, langen Glaspassagen, keck gekippten Hörsälen und einer Ufo-artigen Aula, erinnert an Oscar Niemeyers leichtfüßig-brasilianische Moderne und an Pier Luigi Nervis Palazzetto dello Sport in Rom, den Dedeèek auf einer seiner vielen Auslandsreisen besuchte. Auch dies eine Überraschung für die Besucher aus Wien: "Natürlich konnten wir in den Westen reisen, zumindest in den freien 1960er-Jahren", sagte er – auf Exkursionen nach Italien, Deutschland und sein geliebtes Frankreich, wo er kurz wegen Spionageverdachts festgenommen wurde. "Aber ich war natürlich kein Spion", sagte er. Und lächelte listig.

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Autor: Maik Novotny

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