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Beten in Beton

Beten in Beton
Der Mariendom von Neviges, mit sechstausend Plätzen der zweitgrößte Kirchenbau des Erzbistums Köln

Foto: © Mark Wohlrab/ARTUR IMAGES


Beton-Kunst: Der Mariendom von Neviges

Eines der schönsten Gebäude Deutschlands ein brutalistisches Betongebirge, das Anfang der siebziger Jahre mitten in eine hinreißende Altstadt im Bergischen Land gestellt wurde und heute eines der beliebtesten Pilgerziele nicht nur für Katholiken, sondern auch für Architekten aus aller Welt ist: Der Mariendom von Neviges, mit sechstausend Plätzen der zweitgrößte Kirchenbau des Erzbistums Köln, taucht mal wie ein gigantisches Bergkristall, mal wie eine Stadt mit alten spitzen Giebeln und Türmen aus dem Morgennebel des Bergischen Landes auf, und dieser Effekt war gewünscht.

Neviges, eine der ersten großen Kirchbauten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, sollte eine neue Selbstsicht der katholischen Kirche in neuen Bauformen zum Ausdruck bringen. Nicht als exklusive Burg, die irgendwo außerhalb der Welt auf einem Berg steht, sondern als ein Zelt für das wandernde Volk „auf den Marktplätzen der Welt“ wollte die Kirche jetzt gesehen werden - also entwarf der 1920 in Offenbach geborene Gottfried Böhm, der später als erster deutscher Architekt mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, 1968 genau das: eine Kirche als Marktplatz. Statt fester Bänke gibt es in seinem Dom Stühle, die herausgetragen werden können, dann sieht das Hauptschiff wie eine alte italienische Piazza aus, die Emporen wie die Fenster und Balkone einer alten Stadt. Sogar die Statik seines Doms war metaphorisch wertvoll: Bei der aufgehängten Betonkonstruktion stützen sich die kristallinen Wand- und Deckenelemente gegenseitig - was dem damals schon fast blinden, legendären Kölner Kardinal Frings, der das Modell abtastete, um den Entwurf zu begreifen, so gut gefiel, dass er Böhms Entwurf durchsetzte, obwohl er, weil zu unkonventionell, im Architekturwettbewerb nicht auf den ersten Platz gesetzt worden war.

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Autor:

VÖB

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