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Gemeinsames Wohnen Kolpingplatz Bregenz

Kolpingplatz Bregenz
Foto: Studio 22 Marcel Hagen, © Wimmer-Armellini


Gemeinsames Wohnen am Kolpingplatz
Umbau, Zubau und Renovierung

Das frei stehende Doppelhaus in Fachwerkbauweise ist mit der Jahreszahl 1611 bezeichnet und befindet sich als eines der ältesten Bregenzer Gebäude – auch Mesner- oder Guggerhaus genannt – gegenüber der Herz-Jesu-Kirche in ruhiger Innenstadtlage. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Eine Baualteruntersuchung datiert den älteren, bergseitigen Teil des Hauses mit 1446 in das 15. Jahrhundert.

Zuletzt beherbergte das Haus Substandardwohnungen und war insgesamt in sehr desolatem Zustand. Mit der Neuplanung ist es gelungen, die Häuser Kolpingplatz 3 für die Nutzung „gemeinsames Wohnen“ zu sanieren, umzubauen und um einen Neubauteil in Sichtbeton zu erweitern. Auch der Vorplatz wurde allgemein
zugänglich und mit Sitzbank und Brunnen aus einem Betonfertigteil als Ort der Begegnung möbliert.

„Gemeinsames Wohnen“ ist der Titel für ein innovatives Wohnkonzept:

Elf individuelle Kleinwohnungen mit ca. 30–50 m2 Nettonutzfläche werden um einen Mehrzweckraum mit Foyer und um ein Gästezimmer angeordnet. Jede Wohneinheit besteht aus Vorraum, behindertengerechter Nasszelle, Wohnraum mit Kleinküche, separatem Schlafzimmer und verfügt über ein Kellerabteil. Der Gemeinschafts- und Mehrzweckraum ist für soziale, therapeutische und kulturelle Zusammenkünfte, intern wie extern, vorgesehen.
Das gläserne Foyer als verbindendes Element zwischen den Haushälften, der Garten und der Waschraum werden ebenfalls gemeinsam genutzt. Um das über viele Jahrhunderte gewachsene Raumgefüge im Altbau ideal zu nutzen, planten Wimmer-Armellini auch die Innenausstattung bis ins Detail.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Gebäudes stehen mit dem Kolpinghaus Bregenz beträchtliche infrastrukturelle Synergieeffekte in Form von Küche mit Essensangebot, Wäschedienst, Friseur, Therapie etc. zur Verfügung. Das gesamte Gebäude wurde barrierefrei errichtet.
Der archaische mittelalterliche Bestand mit seinen giebelständigen Häusern mit mineralischen Oberflächen wie Naturstein und Kalkputz ließ uns beim Neubau zu Sichtbeton als Hauptmaterial greifen.

Kolpingplatz BregenzFotos: Studio 22 Marcel Hagen, © Wimmer-Armellini

Sichtbeton ist ein kräftiges Material, das zeitgemäß und modern eine geistige Verwandtschaft zum Material der Bestandshäuser herstellt. Die asymmetrische Ausformulierung des Neubaus spielt mit dem perspektivischen Effekt und vergrößert dadurch scheinbar das Bauvolumen. Das Fenstermotiv mit schrägen Laibungen wurde von historischen Vorbildern abgeleitet und greift damit das bestehende Motiv der Sandsteingewände auf.
Der Sichtbeton wurde in der Fläche sandgestrahlt, in den Fensterlaibungen wurde er schalglatt belassen. So wie der Bestand beschränkt sich der Neubau auf wenige Materialien. Bauphysikalisch wurde die Bauaufgabe mit einer Wärmedämmung aus 16-cm-Foamglas als Innendämmung gelöst. Die Decken sind punktuell mit Schubdornen an die Außenwand angebunden.


PROJEKTDATEN

ADRESSE: Kolpingplatz 3, 6900 Bregenz
AUFTRAGGEBER: Kolpingfamilie Bregenz
ARCHITEKTUR: Wimmer-Armellini
TRAGWERKSPLANUNG: DI Andreas Gaisberger
ÖRTLICHE BAUAUFSICHT: Kurt Gau
BAUPHYSIK: DI Lothar Künz
HAUSTECHNIK/ELEKTRO: Hiebeler + Mathis
BAUFORSCHUNG: DI Raimund Rhomberg
BAUAUSFÜHRUNG: Baumeister: Gobber
PLANUNG: 03/2011–02/2016
AUSFÜHRUNG: 03/2015–05/2016
GRUNDSTÜCKSFLÄCHE: 579 m2
NUTZFLÄCHE: 665 m2
KELLER: 145 m2
BAUKOSTEN: 2,3 Mio. Euro
BAUWEISE: Bestand in Fachwerkbauweise aus Gotik und Renaissance, Aufsparrendämmung mit Ziegeldachdeckung über Sichtdachstuhl; Neubau der Erweiterung in Sichtbeton mit Innendämmung
AUTOREN:
Wimmer-Armellini
Ute Wimmer-Armellini, Peter Wimmer
www.wimmer-armellini.at

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