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Neuer Alpenstil: Beton, Glas, Metall

Neuer Alpenstil: Beton, Glas, Metall
Neuer Alpenstil? Restaurant Ice Q über Sölden

Foto: © alexander maria lohmann

Beton, Stahl und Glas mitten im Bergidyll

Statt mit Steinmauern und steilen Satteldächern werden immer mehr Häuser und Schutzhütten aus modernen Materialien in vieleckiger Form errichtet. Traditionalisten stöhnen über die neuen „Betonbunker im Hochgebirge“.

Für den berühmten Schweizer Architekten Vittorio Magnago Lampugnani steht außer Frage, was eine nachhaltige Bauweise in den Alpen ausmacht: Die Häuser müssten auf Entwürfen basieren, die sie „zu einem Bollwerk gegen den ständigen Wechsel“ machen, schreibt der Professor emeritus für Geschichte des Städtebaus der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich in seinem Essayband „Die Modernität des Dauerhaften“.

Die Bewahrung von Traditionen war für Lampugnani schon immer wichtig. Als einer der Protagonisten des Berliner Architekturstreits trat er in den Jahren nach der Wiedervereinigung für einen ortstypischen historischen Aufbau der in den DDR-Jahren verfallenen Straßenzüge im Ostteil der Hauptstadt ein – ohne postmodernistische Extravaganzen. Doch nicht nur in Berlin war Lampugnanis Werben zum Teil vergeblich. Auch im größten Hochgebirge Europas scheint sich die Zeit der klassischen Bauweise dem Ende zuzuneigen.

Nichts symbolisiert dies besser als das Ice Q – das 2013 eröffnete Gipfelrestaurant auf dem 3056 Meter hohen Gaislachkogel oberhalb des Tiroler Wintersportorts Sölden. Auf die Gäste wartet dort kein klassisches Alpengasthaus im traditionellen Stil. Vielmehr thront auf der Bergspitze ein Vieleck aus Stahl und Glas. Es wirkt so futuristisch, dass es der britische Regisseur Sam Mendes als einen der Schauplätze für den 2015 gedrehten James-Bond-Thriller „Spectre“ gewählt hat.

Moderne Materialien lassen andere Bauarten zu

Schneelasten und eisige Kälte im Winter, heftige Regenfälle im Frühjahr und Spätherbst, sengende Hitze im Sommer: Das raue Klima der Alpen war schon immer eine Herausforderung für Architekten und Baumeister. „Die typische alpine Bauweise richtet sich seit jeher nach den Bedürfnissen der Bevölkerung, nach der Notwendigkeit zu überleben, sagt Francesco Pastorelli, Geschäftsführer der italienischen Sparte der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA.

Dicke Steinmauern halten im Winter die Kälte und im Sommer die Gluthitze fern. Steile Satteldächer lassen den Schnee herunterrieseln und verhindern, dass sich so hohe Lasten auf den Häusern türmen, dass diese zusammenbrechen. „Die alten Gebäude, die heute als traditionell gelten, sind nicht das Ergebnis von Entscheidungen, sondern Folgen der Notwendigkeit“, sagt Pastorelli.

Doch nun hält auch im Hochgebirge die Moderne Einzug: Häuser aus Beton, Glas und Metall füllen zunehmend die Täler und Steilhänge. Denn was die Baumeister in den Alpentälern in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, der Schweiz und in Slowenien über Jahrhunderte an Erfahrungen gesammelt haben, können heutige Architekten leichtfertig verwerfen, weil sich mit modernen Baumaterialien Gebäude in ganz neuen Formen schaffen lassen, die ebenso gut den Unbillen der Natur trotzen, wie die traditionellen Gebäude. „Fremde, für die Großstadt typische Elemente“ drängten deshalb zunehmend in die Architektur im Alpenbogen, sagt Pastorelli. Es ist eine Entwicklung, die nicht jedem gefällt.

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