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Taminatalbrücke: Atemberaubender Betonbogen über Schlucht

Taminatal-Brücke
Die Taminatalbrücke im Schweizer Kanton St. Gallen

Fotos: © WERNER FETZER/TIEFBAUAMT KANTON ST. GALLEN, STRASSEN- UND KUNSTBAUTEN


Die größte Bogenbrücke der Schweiz

Wenn Planer und Ausführende eine so spektakuläre Konstruktion hinbekommen wie die Taminabrücke in unserem Nachbarland, dann ist es klar: Damit ist für weltweites Aufsehen gesorgt! Ist auch wirklich ein unglaubliches Projekt.

Die größte Bogenbrücke der Schweiz befindet sich über der Taminaschlucht – einem Naturparadies im Kanton St. Gallen.
Die spektakuläre Konstruktion der Taminabrücke forderte Planer wie auch Ausführende heraus, das Endprodukt sorgt
weltweit für Aufsehen.

Taminatalbrücke Schweiz


Über das ebenso wildromantische wie teilweise rutschgefährdete Taminatal bei Bad Ragaz, St. Gallen, wird in gut 200 Metern Höhe eine imposante 417 Meter lange und elf Meter breite Brücke geschlagen. Mit diesem eleganten neuen Brückenschlag zwischen Valens und Pfäfers wurde die baufällige Valenserstraße an der westlichen Talflanke ersetzt und erschließt das Dorf und die Klinik Valens auf eine neue und sichere Art. Mit 260 Metern Bogenspannweite ist die durch das Tiefbauamt St. Gallen beauftragte Taminabrücke eine der größten Bogenbrücken Europas.

Dieser Entwurf ging als Siegerprojekt eines europaweiten Architekturwettbewerbes aus 24 Vorschlägen hervor. Das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner aus Stuttgart hat die Brücke behutsam ins Gelände eingepasst. Sowohl der gewählte asymmetrische Bogen als auch die radial angeordneten Ständer am Bogen, die mit dem Überbau monolithisch mittels Betongelenken verbunden sind, und die dem Talflankenverlauf entsprechend geneigten Kämpferstützen waren entscheidende Zuschlagskriterien.

Die Arge Taminabrücke, Strabag AG (AT), J. Erni AG (CH) und Meisterbau AG (FL), zeichnete für die Ausführung zur Herstellung der Taminabrücke verantwortlich. Das Bauwerk setzt sich aus einem Bogentragwerk und einem monolithisch verbundenen Überbau zusammen. Dabei sind die mittleren Ständer gelenkig angeschlossen und die beiden äußeren biegesteif. Die Lagerung des Systems erfolgt an den Kämpfern mittels Einspannung in den Baugrund.

In den Widerlagerachsen wird die Brücke jeweils auf einem in Längsrichtung beweglichen und einem frei beweglichen
Topflager gelagert. Aufgrund der gekrümmten Trassierung im Grundriss treten dort abhebende Lagerkräfte auf. Ein Abheben der Lager wird durch vorgespannte Zugseile an den Außenseiten der Lager verhindert. Kernelemente für die Herstellung der Brücke sind zum einen der seilverspannte Bogenfreivorbau und zum anderen die Herstellung des Überbaus über dem Bogen.

Taminatal-Bogenbrücke


Da die Bogenverformung sich durch die einzelnen Betonierabschnitte ständig ändert und daher die endgültige Lage des Überbaus beeinflusst, waren umfangreiche Berechnungen notwendig.

Alternativer Bogenfreivorbau

Für die Erstellung des Bogens hielt die Arge Taminabrücke grundsätzlich am seilverspannten Freivorbau fest. Jedoch
entschied die Arge, die Stahlpylone direkt über den Kämpferfundamenten anzuordnen. Dies führte zu wesentlich höheren
Pylonen (Pfäfers: 107 Meter, Valens: 78 Meter), erlaubt aber die Anordnung mehrerer Kabelgruppen. Im gleichen Zug verringert sich die Exzentrizität zwischen Bogenelement und Pylon. Durch die steileren Haltekabel verringert sich deren Haltekabelkraft. Des Weiteren wurde jedes zweite Bogenelement abgespannt. Dieser gewählte Bauablauf führt zu weniger auskragenden Bogensegmenten in Relation zum vordersten bereits gespannten Haltekabel. Daraus ergeben sich weniger Biegemomente im vordersten Bereich des Bogens, und das führt auch zu geringeren Haltekabelkräften.

Beide Maßnahmen führten zu einer Reduktion der Kabeltonnage von 250 Tonnen auf 190 Tonnen. Die kleineren Kabeleinheiten ermöglichten außerdem eine kostengünstigere Verankerung in den Stegen des Bogens mit einbetonierten
unzugänglichen Festankern. Durch die Anordnung der Pylone direkt über den Kämpferfundamenten entfallen auch die horizontalen Druckstempel.

Infolge der geneigten Kämpferstiele hätte die Belastung der Stahlpylone zu Ablenkkräften, die von den Druckstempeln
aufgenommen werden müssten, geführt. Durch die Entflechtung der Pylone von den Vorlandtragwerken konnte nun der seilverspannte Bogenfreivorbau bereits nach dem Herstellen der Kämpferstützen respektive der Montage der ersten Pylonschüsse begonnen werden. Der Startblock, dessen Freivorbaugerüst am Kämpfer montiert war, entsprechend früher. Nach der Herstellung des 1. Abschnittes musste die Freivorbaurüstung von der Kämpferverankerung in Aufhängungen des 1. Abschnittes umgebaut werden und befand sich dann im Regeltakt.


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