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Tree-ness House in Tokio

Tree-ness House in Tokio

Foto: © Vincent Hecht

Wo nicht nur Pflanzen Wurzeln schlagen

Die Kunst, auf wenig Raum überraschende Wohnkonzepte zu verwirklichen, haben japanische Architekten perfektioniert. Mit dem Tree-ness House im Norden Tokios hat Akihisa Hirata einen Wohnbau geplant, der wie ein natürlicher Lebensraum, etwa ein Korallenrief oder eben ein Baum, besiedelt werden soll. Nötig ist dazu, seiner Meinung nach, ein gewisses Maß an Verschlungenheit, an Vertiefungen und Ausbuchtungen, um die nutzbaren Oberflächen vergrößern und Nischen entstehen zu lassen.

Umgesetzt hat er sein Konzept in einen von Split-Level und Durchbrüchen geprägten Rohbau, der wie ein Stapel verschieden großer Betonkisten erscheint. In die Öffnungen der Betonkonstruktion sind 17 Fertigteile aus gefaltetem Stahl mit Treppen, Fenstern und Pflanztrögen eingesetzt. Sie machen, durch ihren Kontrast zu den Sichtbetonbauteilen, die Idee der Architektur als Lebensraum, der besiedelt wird, nach außen eindrucksvoll ablesbar. Zudem erinnern die Elemente an die improvisierten Dachgärten, die man in den dichten japanischen Großstädten auf zahlreichen kleineren Wohnhäusern findet.

Beton: Stahlteile in Feinbeton gehüllt
Die Mischkonstruktion des Rohbaus besteht aus Stahlbeton und vorgefertigten Stahlbauelementen. Fassaden und Erschließungszonen sind in Sichtbeton ausgeführt, der im Außenbereich abschließend hydrophobiert wurde. Bei den besonders wetterbeanspruchten horizontalen Bauteilen wurde wasserundurchlässiger Beton verwendet und mit einer semitransparenten weißen Beschichtung versiegelt. Die Außenwände sind innen gedämmt. In den Wohnräumen sind die Wände teils weiß gestrichen, in Teilbereichen mit Holz verkleidet.

Die Sichtbetonwände zeigen ein von Schaltafeln in Standardformaten geprägtes Schalungsbild mit weitgehend durchlaufenden Schalungsfugen. Auffallend sind die zahlreichen, regelmäßigen Ankerlöcher, die für japanische Sichtbetonbauten typisch sind. Im Bereich der sogenannten Falten ging man ungewöhnlich vor: Wenn möglich, wurden Teilbereiche vor dem Einsetzen der Fertigteile auf konventionelle Weise betoniert. Meist jedoch setzte man zunächst die vorfabrizierten Stahlteile ein. Anschließend schweißte man auf deren Außenflächen Halterungen für die Betonanker und verlegte eine Edelstahlbewehrung. In die davor gesetzten, maßgefertigten Holzträgerschalungen kam dann ein Feinbeton mit einer Schichtdicke von acht Zentimetern und einer Rezeptur auf Basis von Quellzement. Damit wurde das Schwinden des Baustoffs im Hydratationsprozess – das aufgrund der Begrenzung durch die Stahlbauteile zu erheblichen Rissen geführt hätte – reduziert. Nach der Hydrophobierung scheinen die Oberflächen der Betonwände und der Feinbetonbekleidungen beinahe nahtlos ineinander überzugehen.

Bautafel

Architekt: Akihisa Hirata Architecture Office, Tokio (Team: Akihisa Hirata, Yuko Tonogi, Oba Kohei, Masatoshi Sugiyama)
Projektbeteiligte: OAK, Masato Araya, Tokio; tmsd, Takashi Manda und Taijiro Kato, Kobe (Tragwerksplanung); EOS plus, Kazuhiro Endo und Sho Takahashi (HLS-Planung); Onshitsu, Yuichi Tsukada (Grünplanung); Yoko Ando Design, Yoko Ando und Kasumi Yamaguchi (Textildesign); Oharakomusho, Akira Ohara und Satoshi Kikuchi, Tokio (Rohbau); Ikegami, Yasuyuki Ikegami (Bepflanzung)
Bauherr: Privat
Standort: Otsuka, Bezirk Toshima, Tokio, Japan
Fertigstellung: 2017
Bildnachweis: Vincent Hecht

 

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