VÖB Facebook
    YouTube Facebook
 


Zeitgeschichte in Beton

Zeitgeschichte in BetonKarl Schwanzers Erweiterung der Kapuzinergruft

Foto: © Stefan Oláh

Ein Comic und ein Bildband zeigen, wie Karl Schwanzer, Erbauer des 20er-Hauses, das Nachkriegswien prägte.

Wien, in den 1960er-Jahren. Es herrscht noch immer Aufbruchsstimmung nach dem Staatsvertrag. Wirtschaftswunder und beinahe Vollbeschäftigung. Wiens oberster Stadtplaner ist der spätere Stadthallen- und ORF-Architekt Roland Rainer, der gegen „Bauspekulation“ kämpft und für die Innenstadt den „absoluten Vorrang für Fußgänger und Autobusse sowie eine Ausschaltung des Durchzugsverkehrs“ fordert. Der allerdings auch, man kann sich das heute schwer vorstellen, die Westautobahn bis zum Karlsplatz führen will. Die daraus resultierenden Proteste waren die Vorhut vieler Bürgerbewegungen der 70er-Jahre.

Es ist die Zeit der vielfach als „Betonmonster“ verschrieenen Gebäude der Nachkriegsarchitektur: Die im Fachjargon als „brutalistisch“ bezeichneten Bauten gehören zu den prägenden Architekturstilen der Moderne, in Wien zählt etwa die Wotruba-Kirche in Liesing dazu.

Roher Beton

Brutalismus, das kommt vom französischen „béton brut“, „roher Beton“– der bevorzugte Werkstoff des schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier, der beinahe der erste Arbeitgeber des Wiener Architekten Karl Schwanzer geworden wäre. Die Zusammenarbeit scheiterte am Geld, doch der rohe Beton blieb auch in Wien ein Baustoff erster Wahl. Eindrucksvoll veranschaulicht das etwa Karl Schwanzers Erweiterung der Kapuzinergruft. Roher Sichtbeton umgibt die schnörkeligen Särge, in denen unter anderem die Eltern und Verwandten Kaiser Franz Josephs ihre letzte Ruhestätte fanden: Habsburgkitsch trifft graue Betonmasse im Gruftraum, den Schwanzer als großes Grab konzipierte.

Im Jubiläumsjahr 2018 wurden mit Otto Wagner, Gustav Klimt und Egon Schiele die „Wegbereiter der Moderne“ gefeiert. Der 1918, im Todesjahr der drei Künstler geborene Wiener Karl Schwanzer (1975) war zweifellos einer der wichtigsten Architekten der Nachkriegsmoderne.

Er prägte das Stadtbild 

 Er prägte das Stadtbild der 60er- und 70er-Jahre. Architektur lernte er bei Oswald Haerdtl, dem Erbauer des Wien Museums, der wiederum bei Josef Hoffmann studiert hatte. Schwanzer baute preisgekrönte Ausstellungspavillons, heute denkmalgeschützte Firmengebäude, Kirchen und Wohnhäuser. Tatsächlich im Gedächtnis der Stadt verankert ist er vor allem durch sein „20er Haus“.

Zwei nun erschienene Bücher zeigen Schwanzers Einfluss auf Wien in denkbar unterschiedlicher Weise. Architekturfotograf Stefan Oláh und Fotohistorikerin Ulrike Matzner haben sich auf Spurensuche nach Schwanzers österreichischen, aber auch internationalen Gebäuden begeben.

Quelle: KURIER, Artikel von Barbara Mader

VÖB

>> ÜBERSICHT  "AUS DER WELT DES BETONS" >>

Beton aus der Region