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Aktuelle Untersuchungen: Vorschriften für Wohnbau müssen optimiert werden

„Sicherheit im Brandschutz gefährdet“

 

Die Sicherheit im Brandschutz in Österreich ist gefährdet. Der Grund dafür sind Mängel in den bestehenden Bauordnungen, erklären DI Dr. Friedrich Perner, Branddirektor der Berufsfeuerwehr Wien und Universitätsprofessor DDr. Ulrich Schneider vom Institut für Baustofflehre, Bauphysik und Brandschutz an der Technischen Universität (TU) Wien. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden droht ein Anstieg der Zahl der Brandtoten und der finanziellen Schäden durch Feuer. Jahr für Jahr sterben in Österreich mehr als 60 Menschen an den Folgen von Bränden. Zusätzlich richten Feuer in Gebäuden jährlich Schäden von mehr als 350 Millionen Euro an.

Branddirektor Perner spricht sich für eine Stärkung des Sicherheitsbewusstseins bei Politikern, Planern und Bauherren aus. Österreich brauche eine bundesweit einheitliche Regelung der Brandschutzvorschriften, die stärker auf die verwendeten Baumaterialien Rücksicht nimmt. Perner: „Gebäude müssen dem Feuer so lange widerstehen, bis Maßnahmen gesetzt werden.“ Problematisch ist, dass Wohnhäuser aus brennbaren Baustoffen inzwischen höher als das Niveau von drei Geschossen, bei Dachbodenausbauten sogar bis zu 26 Metern Höhe gebaut werden können.

Untersuchungen beweisen: Brandrisiko hängt von Bauweise ab
Untersuchungen am Institut für Baustofflehre, Bauphysik und Brandschutz an der TU Wien haben ergeben, dass das Brandrisiko im Wohnbau entscheidend von der Bauweise der betroffenen Gebäude abhängt. Universitätsprofessor Ulrich Schneider: „Finnland erreicht mit seinem Holzbauanteil von 85 Prozent und 21,2 Brandopfern je Million Einwohner sowohl den größten Anteil an Holzbauten als auch die größte Anzahl an Brandopfern.“ In den USA liegt der Anteil der Holzbauten bei ca. 80 Prozent und die Zahl der Brandopfer bei 19, in Japan beträgt das Verhältnis 40 Prozent und 16,9 Brandtote und Deutschland hat bei 13 Prozent Holzbau-Anteil 9,8 Brandtote/MioEW. Hätte Österreich mit seinen hervorragenden 7,9 Brandtoten/MioEW bei 10 Prozent Holzbau-Anteil das gleiche Brandrisiko wie Finnland wären jährlich um ca. 60 Brandtote mehr zu beklagen.
Unterschiedliche Bauweisen führen im Fall eines Brandes zu völlig unterschiedlichen Auswirkungen, auch wenn rein formal die gleichen Brandwiderstandsklassen angewendet wurden. Untersuchungen haben ergeben, dass eine Gesamtkonstruktion vorzeitig versagen kann, weil die metallischen Verbindungen von Holzbauteilen durch Hitze ihre Festigkeit verlieren. Schneider: „Diese Gefahr droht vor allem dann, wenn die Ausführung der Bauten nicht stimmt. Mängel bei Planung und Bauausführen sind die häufigsten Fehler im Brandschutz, weil entsprechende Fachkenntnisse weitgehend fehlen. Herkömmliche, massive Bauten sind gegen Fehler bei Installationen dagegen weitgehend unempfindlich und wirken als Brandstopper, von denen keine weiteren Gefahren ausgehen. Schneider: „Wenn die neuen Brandschutzbestimmungen auf diese Unterschiede nicht Rücksicht nehmen, dann steigt das Brandrisiko in Österreich auf das dreifache des derzeitigen Wertes“.

Brandschutz ist in Österreich Landessache, erklärt Branddirektor Perner. Daher hat jedes Bundesland Bauvorschriften erlassen, die sich im Detail oft sehr voneinander unterscheiden. Neue Trends in Architektur und Wohnhochhausbau haben zudem dazu geführt, dass Gefahren entstehen, die bisher nicht voll eingeschätzt werden können. Perner: „Alle Feuer beginnen klein. Prinzipiell kommt es darauf an, dass Feuerwehr und Rettung bei einem Brand rasch eingreifen können und die Gebäude dem Feuer so lange widerstehen, bis Maßnahmen gesetzt werden.“

Problemfeld brennbare Baustoffe aufarbeiten
Brandexperte Perner ist dafür, das Problemfeld brennbare Baustoffe grundlegend aufzuarbeiten. Problematisch ist vor allem, dass Wohnhäuser aus brennbaren Baustoffen inzwischen höher als das Niveau von drei Geschossen gebaut werden können. Zudem gibt es keine einheitliche Regelung für das gesamte Bundesgebiet. In Wien erlauben Ausnahmeregelungen, bei Dachbodenausbau den Einsatz von brennbaren Materialien bis zu einer Höhe von 26 Metern, auch wenn der Zugang von außen nicht gewährleistet ist. Entscheidend für die Feuerwehr ist eine realistische Gestaltung der Vorschriften und ein Aufenthaltsniveau von maximal 22 Metern wie beispielsweise in Oberösterreich. Dr. Perner: „Es ist wichtig, die erreichten Sicherheitsniveaus abzusichern und keine Einsparungen im brandschutztechnischen Bereich zu tolerieren. Das zeigen die Studien, die Professor Schneider an der TU Wien durchgeführt hat. Die Aufgaben der Feuerwehr sind durch moderne Bauformen keineswegs einfacher geworden.“

 

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